1875 – 1900


GRÜNDUNG DER FREIWILLIGEN FEUERWEHR WATTENS

  

Wattens hat schon in frühen Zeiten große Brände erlebt, allein die Kirche samt dem Turm brannte dreimal nieder. Das furchtbarste Brandunglück traf die Gemeinde im April 1809, als fast alle Häuser beiderseits der Bundesstraße in Schutt und Asche gelegt wurden. Zu allem Unglück legte der Feind noch auf seinem Rückzug am 12. August im Oberdorf Feuer, dem acht Häuser zum Opfer fielen.

Wohl hat die Gemeinde Wattens um 1830 eine Feuerspritze um bare 1000 Gulden gekauft, doch war damit allein eine wirksame Bekämpfung des Feuers nicht möglich. Dies gelang überhaupt erst seit sich freiwillige Feuerwehren gebildet hatten, welche eine für ihren Zweck sorgfältige Ausbildung erhielten, unter einheitliche Leitung gestellt und mit den nötigen Lösch-Requisiten ausgerüstet wurden.

 

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland die ersten freiwilligen Feuerwehren gegründet. Und schon 1857 wurde, als eine der ersten Österreichs, in Innsbruck eine freiwillige Feuerwehr aufgestellt.

Johann Kleißl

Gründer der F.F. Wattens 


Johann Mark

                                                                                     erster Feuerwehrkommandant

 

Aber nur allmählich gingen auch andere Orte Tirols daran, eine freiwillige Feuerwehr zu bilden. Zu den ersten Landgemeinden, welche eine Wehr errichteten, zählte das damals noch kleine Dorf Wattens.

 

Im Jahre 1875 wurde vom Gemeindevorstand, an der Spitze Vorsteher Kaspar Lechner und sieben Ausschussmitgliedern unter dem Vorsitz des k.k. Försters Johann Kleißl als Ausschussmitglied und Gemeindesekretär beschlossen, eine Dorffeuerwehr zu gründen. Diese Versammlung fand in der Wohnstube beim Kirchprobst statt. Als Instruktor und erster Kommandant wurde Johann Mark, Papierfabrikantensohn und Gutsbesitzer beim „Laffer“, gewählt. Johann Kleißl übernahm das Amt des Kassiers und Schriftführers. Als wesentlicher Bestandteil der vorhandenen Ausrüstung stand die alte Dorfspritze zur Verfügung, zu deren Bedienung 24 Mann erforderlich waren und weitere 24 Mann zur Ablösung.

Immerhin erzeugte die Pumpe einen Wasserstrahl, der bis an die Kirchturmkuppel reichte. Die junge Wehr musste schon bald ihre erste Feuerprobe bestehen. Dies ist aus der nachfolgenden Chronik zu entnehmen.

 

AUS DER CHRONIK DER FREIWILLIGEN FEUERWEHR WATTENS

 

 

1875   

Am 18. Mai, 1:00 Uhr mittags, Brand des Dachstuhles der Pfarrkirche in Hall. Dieser Urwald von gezimmertem Holz stand in kurzer Zeit in hellen Flammen. Hier hat unsere Wehr ihre erst Feuerprobe bestanden.

In der Nacht vom 26. auf 27. Juli brannten der Greiderer-Stadel und das Spiegelhaus nieder. Die schwer gefährdeten Nachbarobjekte, vor allem die Laurentiuskirche, konnten durch den raschen Einsatz der Wehr gerettet werden.

Am 5. September wurde der Beitritt der Feuerwehr Wattens zum Deutsch-Tirolerischen Gauverband der Feuerwehren einstimmig beschlossen.

 

1876

1. Oktober. Zum Gründungsfest der F.F. Wattens kamen nahezu 500 Wehrmänner aus den Bezirken Innsbruck, Hall und Schwaz. Dr. Stolz, Vorstand des Gauverbandes, wird zum ersten Ehrenmitglied ernannt.

 

1877

wurde beim Fabrikanten Schmid in Absam eine Landfahrspritze mit Saugschläuchen zum Preis von 950 Gulden gekauft.

Schauübung beim Gasthof „Steiger“ anlässlich der Einweihung der Landfahrspritze im Jahre 1877

1878

Herr Simon Angerer, Greidererwirt, spendete der Feuerwehr Wattens den ansehnlichen Betrag von 100 Gulden.

Simon Angerer

 

1879

Das alte Spritzenhaus, das zwischen Widum und dem Schmalzeranwesen stand, wurde am Dorfplatz gegenüber neu errichtet. Später wurde es neben dem Armenhaus in der Garbergasse aufgestellt. Johann Mark schuf für die Wehr von Wattens eine mustergültige Feuerwehrordnung, wie sie keine Landgemeinde aufzuweisen hatte. 

Auszug aus der Feuerwehrordnung: Verf. Johann Mark

1885

Josef Ertl wird zum Kommandanten gewählt.

Der zehnjährige Bestand der Feuerwehr wird feierlich begangen.

Der Dichter B. Del Pero, Kleißl’s Schwiegersohn, widmete der Wehr ein schönes Gedicht.

Die Ausrüstung der Feuerwehr bestand im wesentlichen aus zwei Landfahrspritzen mit Saugschläuchen und Strahlrohren, einer fahrbaren Leiter, zirka 300 Meter Schläuchen und unter anderem einer zerlegbaren „Blessierten-Tragbahre“, gespendet von Franz Weis.

 

1886

19. August. Brand beim oberen Hauswurz, Stubler und Orgler. (Lange Gasse 9, 11 und 13)

 

1887

Löschaktion in Fritzens: Brand beim Jodlerbauern.

Der Mitgliederstand erhöhte sich auf 80 Mann.

 

1888

Bei der Jahreshauptversammlung am 7. Jänner würde mit Stimmeinhelligkeit beschlossen, von jedem Mitglied einen Beitrag von 20 Kreuzern einzuheben, eine Unterstützungskasse zu gründen, die es ermöglichen soll, Feuerwehrmänner zu unterstützen, welche in Ausübung des Feuerwehrdienstes irgendwie zu Schaden gekommen sind. Weiters wurde beschlossen, dass Feuerwehrmänner, die diesen Beitrag von 20 Kreuzern pro Jahr nicht leisten, sowie auch die vorgeschriebenen zwei Übunge im Jahr nicht mitmachen, als vom Verband der Freiwilligen Feuerwehr ausgeschlossen zu betrachten sind.

12. August. 2. Bezirksfeuerwehrtag in Wattens: Von den 18 Feuerwehren des politischen Bezirkes Innsbruck waren 13 Wehren durch Delegierte vertreten. Über 300 Wehrmänner waren als Gäste erschienen.

 

1889

17. August. Brand beim Schmid und Sagschneider in Baumkirchen. Von diesem Doppelhaus konnte nur wenig gerettet werden. Brand beim Gatterer (Gaisplatz) durch Blitzschlag.

 

1890

Am 6. April zerstörte ein Brand in Volders vier Häuser von der Kirche bis zum Bräuhaus, wobei 70 Mann der F.F. Wattens im Einsatz standen und sämtliche Requisiten in Verwendung kamen. Ein Feuerwehrmann wurde dabei an der Hand verletzt. Dieser erhielt aus der Unterstützungskasse den Betrag von 19 Gulden und 60 Kreuzern bewilligt und nach Abzug der ärztlichen Behandlungskosten wurde ihm der Betrag von 16 Gulden und 20 Kreuzern ausbezahlt. Weitere drei Mitglieder erhielten 12 Gulden für beschädigte Schuhe. Kassastand am 14.12.1890: 69 Gulden und 21 Kreuzer. Der Betrag von 60 Gulden wurde auf das Konto bei der Innsbrucker Sparkasse  angelegt.

 

1891 

Am 20. Jänner Brand beim Schmalzer Hansl (Raiffeisenkasse). Um Mitternacht brannte das Haus samt Stall und Stadel nieder. Anfänglich versagten wegen grimmiger Kälte die Spritzen, mit Schnee und Wasser konnte jedoch der angebaute Futterstadel gerettet werden. Im Einsatz waren auch die Nachbarwehren Kolsass und Volders.

Beim Widumbrand in Baumkirchen am 1. April beteiligten sich 60 Mann beim Löschen.

 

1892 

28. Mai. 40 Wehrmänner lokalisierten in kurzer Zeit einen Waldbrand am Vögelsberg.

 

1893

Am 7. Jänner bei der Jahreshauptversammlung wurde der Gründer, langjährige Schriftführer und Kassier unserer Wehr, Johann Kleißl, k. u. k. Förster, zum Ehrenmitglied ernannt. Im Jahre 1893 wurden jeweils drei Mann als Theaterwache zu 13 Vorstellungen unentgeltlich gestellt.

Am 31. August brach ein großes Brandunglück über unsere Gemeinde herein. Um 1:45 Uhr früh brach beim Anwesen des Wattenbacher (Pregenzer) aus ungeklärter Ursache ein Feuer aus, welches sich innerhalb einer halben Stunde auf acht Objekte ausbreitete. In rasender Schnelligkeit vernichtete das Feuer acht Wohnhäuser samt Wirtschaftsgebäuden. Hausnummer 31 – Johann Oberleitner, beim mittleren Müller (Winklerschmide), Nr. 32 – Alois Hechenberger beim Schmalzerschneider (Pfefferle), Nr. 33 – Johann Geisler beim Kalbererschuster (Hofer), Nr. 35 – Johann Kolb vulgo Pater Hansl (Hechenleitner), Nr. 36 – Johann Geisler und Witwe Pichler beim Wattenbacher (Pregenzer), Nr. 58 – Gemeindearmenhaus (Altersheim), Nr. 59 und Nr. 103 – Georg Schwaighofer (Färber). Drei Feuerwehrmänner wurden beim Brand schwer verletzt. Bei dieser schweren Brandkatastrophe kamen uns folgende Nachbarwehren zu Hilfe: Volders, Baumkirchen, Mils, Saline Hall, Absam, Pill, Thaur und die Gemeindespritzen von Kolsass und Weer. Der Brand war um 4:00 Uhr früh lokalisiert und um 6:00 Uhr  abends gelöscht.

Am 31. Dezember wurde die Jahreshauptversammlung abgehalten. Die Neuwahlen konnten wegen zu geringer Teilnehmerzahl nicht abgehalten werden.

 

1894

Bei der zweiten Hauptversammlung am 6. Jänner waren dann mehr als die Hälfte der Mitglieder anwesend. Der einstimmig wieder zum Kommandanten gewählte Josef Ertl lehnte die Wahl entschieden ab. Im neuerlichen Wahldurchgang wurde dann Jakob Ertl einstimmig zum Kommandanten gewählt. In der Ausschusssitzung vom 21. Jänner wurde die Einführung der neuen Dienstabzeichen einstimmig beschlossen.

5. April. Bei einem Großbrand in Weer wurden neun Häuser von den Flammen ergriffen. Unsere Wehr wurde nach 12 Uhr Mitternacht alarmiert und traf schon vor halb 1 Uhr in der Stärke von 65 Mann in Weer ein. Das Feuer, welches im Dachstuhl des Gasthofes Donauer ausgebrochen war, konnte um 3 Uhr früh lokalisiert werden.

Am 7. April rückten 40 Mann unserer Wehr zur Bekämpfung eines Waldbrandes in Fritzens aus.

12. März. Zu einem Dachstuhlbrand in der Papierfabrik des Martin Kapferer musste die Wehr mit beiden Spritzen ausrücken.

Am 1. Mai wurde im Anwesen Haslacher (Rettenbergergasse 5) um halb 5 Uhr abends und um halb 6 Uhr abends von einer Bewohnerin Feuer gelegt. Auf Verlangen der Gemeinde und der k. k. Gendarmerie wurde die ganze Nacht Brandwache gehalten. Die Brandlegerin wurde zu vier Jahren Kerker verurteilt.

In der Frühe des anderen Tages, dem 2. Mai brach beim oberen Mölserer Feuer aus, welches das ganze Objekt einäscherte. Vierzehn Mann unserer Wehr standen im Einsatz.

4. Mai. Florianitag, zugleich 20-jähriges Gründungsfest der Wehr. Dazu erschien eine Denkschrift; 24 Mann erhielten Anerkennungsdiplome für zwanzigjährige Dienstzeit. OL. Johann Paul Steinlechner führte im Saal der aufgelassenen Rhombergfabrik zugunsten der Feuerwehr Theaterstücke auf.

 

1896

Bei der Wahl am 5. Jänner wurde Kommandant Jakob Ertl wiedergewählt, zum neuen Schriftführer Dr. Karl Stainer.

Die 1. Sanitätsabteilung wurde gegründet, eigens geschult und mit einer zerlegbaren Tragbare ausgerüstet.

Ausschusssitzung am 14. März: Offert des Möslschneiders für neue Feuerwehrröcke. Kosten: Stoff 3 Gulden 60 Kreuzer, Macherlohn 1 Gulden, Knöpfe 15 Kreuzer, zusammen 4 Gulden 75 Kreuzer.

9. Mai. Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmannschaft Innsbruck, mitteilend, dass seine Majestät aus seiner Privatschatulle 40 Gulden für die Feuerwehr allergnädigst zu bewilligen geruht hat.

 

1897

Generalversammlung am 10. Jänner im Schulhaus um 2 Uhr nachmittags. Die gesamte Mannschaft bringt seiner Majestät ein dreifaches Hoch aus, bei Erwähnung der allerhöchsten Spende von 40 Gulden. Die Jahreshauptversammlung dauert eine halbe Stunde.

24. Juli. Fackelzug anlässlich des 25jährigen Priesterjubiläums des Pfarrers Josef Fuchs.

 

1898

Bei der Jahreshauptversammlung am 2. Jänner wird Josef Ertl zum neuen Kommandanten gewählt.

Die erste Übung der Sanitätsabteilung fand anlässlich der Hauptprobe am 22. Mai statt.

Am 17. April und 22. Mai Brände in Mils (Feistenberger und im oberen Dorf beim Planken und Rand).

Am 14. Und 15. August anlässlich der Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät Kaiser Franz Josef I veranstaltete die Feuerwehr einen Fackelzug und nahm am Festgottesdienst teil.

Die Feuerwehr beteiligte sich eifrig an der Durchführung eines Glückstopfes zur Gründung des Kindergartens in Wattens.

1.Juni. Einführung des Nottelefons zur raschen Verständigung der Nachbarwehren bei Bränden.

 

1899

Im Jahre 1899 verstarb der Gründer der Wehr, Johann Kleißl.

17. Juli. Beim Brand im Maschinenhaus des Tonwerkes in Fritzens war unsere Wehr mit Leiter und Spritze als erste am Brandplatz. Infolge Wassermangels wurde die Brandbekämpfung mit gelöschtem Kalk vorgenommen (mit der Spritze). Es konnte ein guter Löscherfolg erzielt werden.

10. September. Die im vorigen Jahr von der Feuerwehr verlangten Notausschalter der Starkstromleitung von Vomp nach Hall, wurde in diesem Jahr an den Ortseingängen angebracht.

 

1900

Außerordentliche Generalversammlung am 1. April. Über Antrag des Kommandanten Josef Ertl beschließt die Versammlung, den Organisator der Feuerwehr Johann Mark, Buchhalter, sowie den langjährigen Zeugwart Alois Sailer, Wagnermeister, und den Mechaniker Balthasar Stock zu Ehrenmitgliedern der Wehr zu ernennen. Die Überreichung der Ehrendiplome an die drei Gründungsmitglieder erfolgte beim 25-jährigen Gründungsfest am Pfingstmontag den 4. Juni 1900. An der Jubiläumsfeier nahmen viele Ehrengäste teil, darunter der k. k. Bezirkshauptmann Graf Schaffgotsch, und außer den Nachbarwehren auch Kameraden der Feuerwehr Kirchbichl. Die musikalische Umrahmung besorgte die neu konstituierte Ortskapelle, sowie die Schwazer Musikkapelle.

28. November. Gemeinsame Trauersitzung des Feuerwehrausschusses und des Gemeindeausschusses anlässlich des Ablebens des Gründungsmitgliedes Johann Mark, der auch zweiter Gemeinderat war.

22. Dezember. Die Feuerwehr beteiligte sich an den Löscharbeiten beim Trogeranwesen in Kolsass.